
Im Atelier.
“Der Stein der Weisen sieht dem Stein der Narren zum Verwechseln ähnlich”
Joachim Ringelnatz
Entstehung der Skulpturen
Wie geht die Künstlerin an Ihre Werke?
Meine Skulpturen entstehen auf zwei Arten. Am häufigsten, bei der Einkaufstour, lasse ich mich von den Farben und Formen der Steine leiten. Dies geschieht auf der emotionalen Ebene. Im Rohzustand verbirgt der Stein Vieles, welches erst bei der Bearbeitung zum Vorschein kommt. Dadurch ist er ein Mysterium. Seltener suche ich einen ganz bestimmten Rohling, der mir ermöglichen soll die Form, welche sich bereits im Kopf oder im Skizzen Block befindet, zu realisieren. Die Steine kommen in mein Lager und warten dort geduldig auf meine erneute Aufmerksamkeit. In der finalen Phase der aktuellen Steinarbeit, darf bereits sein Nachfolger (manchmal sind es auch zwei) Einzug ins Atelier halten. Dort liegen sie einfach einmal rum. Immer wenn ich am Stein Vorbei komme, wird er mit den Augen aber auch mit den Händen von allen Seiten betrachtet. Gleichzeitig versuche ich seine Sprache zu verstehen. Manchmal dauert dieser Prozess mehrere Tage und manchmal ist die Eingebung, Schwupps da!
Dann lasse ich die Skulptur langsam aus dem Stein entstehen. Oft ist es eine Gratwanderung zwischen dem, was ich möchte und dem, was der Stein ermöglicht. Die Eigenheiten des Steines werden berücksichtigt und sind fadenführend für den kreativen Prozess. Auch habe ich gelernt, dass wenn der Stein etwas nicht mit sich machen lassen will, die unvorhergesehene Variante oft ausdrucksstärker ist. Schon mehrere Male wurde ich durch Einschlüsse überrascht, die genau an den richtigen Stellen zum Vorschein kamen und dem fertigen Objekt das spezielle Etwas gaben.
Die Bearbeitung von Steinen gibt mir eine emotionale Kommunikations- und Ausdrucksmöglichkeit und erlaubt mir, mich in einer andern Dimension als in der konventionellen Sprache auszudrücken. BR